Lackierung entfernen
Viele Modelle erhalten bei mir die Lackierung der Phoenix Hüttenbahn (Link zum Beitrag). Für ein gutes Ergebnis ist es wichtig, die Originallackierung zu entfernen. Andernfalls ergeben sich zusammen mit der notwendigen hellen Grundierung und dem Neulack in Summe viele Farbschichten, welche Details verschwinden lassen. Hier berichte ich, welche Erfahrungen ich mit unterschiedlichen Methoden zur Lackentfernung gemacht habe und wo es auch mal nicht geklappt hat.
 
Als Behältnis verwende ich gerne kleine Auflaufformen von IKEA, die sich gut reinigen lassen. Nach Gebrauch kommt das Lösungsmittel zurück in die dazugehörige Büchse, denn es kann anschließend noch mehrfach verwendet werden. Nachdem ich bei diesen Gelegenheiten die ein oder andere Schweinerei angerichtet hatte, habe ich mir aus Holz- und Metallresten sowie einigen Teilen aus dem 3D-Drucker einen stabilen Trichterhalter gebaut. Dann kann ich den IKEA-Behälter mit beiden Händen halten, ohne ein Umkippen der Konstruktion befürchten zu müssen. Ein kleines Sieb im Trichter hält die gröbsten Lackteile zurück.
 
Das Gehäuse kommt in die Auflaufform und wird mit Brennspiritus bedeckt. Ich lege dann eine Abdeckung darauf und lasse alles ein paar Stunden stehen. In fast allen Fällen wird die Farbe durch den Spiritus aufgelöst oder zumindest von der Modelloberfläche abgelöst. Schäden an den verschiedenen Kunststoffen habe ich nicht beobachtet. Bei besonders hartnäckiger Lackierung auf Metallteilen kommt Nitroverdünnung zum Einsatz. Um weniger Lösungsmittel einsetzen zu müssen, verwende ich dabei gerne hohe und schmale Konservengläser.
 
Bei PIKO-Gehäusen bin ich jedoch mit diesen Methoden an die Grenze gekommen. Der Originallack zeigt sich kaum oder überhaupt nicht beeindruckt. Auch Schrubben mit einem harten Borstenpinsel half da nicht weiter. Dies ist besonders ärgerlich, weil die PIKO-Modelle komplett geklebt sind und sich empfindliche Zurüstteile sowie die Verglasung nicht entfernen lassen. Auf diese Teile muss man dann besonders achtgeben.
 
Schon lange kenne ich die Empfehlung, Farbe mit Brensflüssigkeit zu entfernen. Die alten Typen DOT3 und DOT4 sollen dabei Plastik unbeschädigt lassen. Weitere Tipps von Modellbahnern war die Verwendung von Dowanol - das ist der Handelsname von Dow Chemical für Methoxypropanol, hier die Varianten DPM bzw PM.
 
DOT4 Bremsflüssigkeit habe ich in einem kleinen Gebinde im örtlichen Baumarkt finden können, die beiden Dowanol-Varianten habe ich im Versandhandel bestellt.
 
Nach kurzer Einwirkungszeit hat DOT4 den PIKO Originallack aufgelöst und entfernt. Da DOT4 Plastik nicht anlösen soll, hatte ich es nicht eilig, das Gehäuse aus dem Bad zu nehmen. Am nächsten Tag musste ich jedoch feststellen, daß eine Schicht an der Gehäuseoberfläche förmlich aufgequollen war. Zunächst habe ich vermuten, daß es sich um eine besonders widerstandsfähige Grundierung handele, aber später ergab sich, daß tatsächlich der PIKO-Kunststoff zu MAOAM geworden war. Ein Stück Polystyrol, welches ich bei einem kleinen Umbau angeklebt hatte, war völlig unbeschädigt geblieben.
 
Nach dem ich meine Erfahrung mit DOT4-Bremsflüssigkeit in einem Forum vorgestellt hatte, bekam ich die Empfehlung, es mit Dowanol PM zu versuchen. Aus Unachtsamkeit habe ich zunächst Dowanol DPM bestellt und verwendet. Ein neues Gehäuse, als Ersatzteil bei PIKO gekauft, habe ich dann zur Hälfte ins Dowanol-Bad gelegt. Nach kurzer Einwirkungszeit von rund einer Stunde wurde auch hier der Originallack entfernt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch vermutet, daß beim DOT4-Versuch eine Grundierung unvollständig angelöst worden war und habe daher das Gehäuse beim zweiten Versuch über Nacht in Dowanol belassen. Aber auch das vermeindlich sichere Dowanol DPM weichte die obersten Schichten des PIKO-Materials auf.
 
Nun hatte ich aus Versehen Dowanol DPM statt Dowanol PM verwendet. Beide Produkte sind sehr verwandt, nach Herstellerangaben scheint DPM etwas milder als PM zu sein. Um aber Klarheit zu bekommen, habe ich auch Dowanol PM getestet. Dazu habe ich das Gehäuse aus dem zweiten Versuch erneut verwendet. Es war in der Zwischenzeit an der Luft wieder ausgehärtet. Je eine Hälfte kam nun kopfüber in ein kleines Glas mit PM bzw. DPM. Der Test ergab, daß auch Dowanol PM den PIKO-Kunststoff aufweicht. Ein Stück einfaches Polystyrol ist in beiden Fällen erwartungsgemäß völlig unverändert geblieben.
 
Fazit: Modelle von Roco sind ideale Umbaukandidaten: Zurüstteile und Fenster lassen sich entfernen und der Originallack kann mit Spiritus unproblematisch entfernt werden. Bei PIKO ist es jedoch die Entscheidung zwischen zwei schwierigen Wegen: Entweder den Originallack überlackieren oder das Gehäuse kurz und vorsichtig mit Dowanol DPM oder PM vom Lack befreien. Dabei besteht jedoch das Risiko, Klarsicht- und Zurüstteile zu beschädigen.
 
Zugschluß