Mein ursprünglicher Plan war, einen der Hochöfen von ThyssenKrupp in Duisburg Bruckhausen nachzubauen. Die Öfen 8 und 9 sind teilweise verkleidet, davon erhoffte ich mir eine vereinfachte
Nachbildung. Im Oktober 2021 besuchte mich Bernd P. aus Hattingen und brachte ein H0-Modells des noch vorhandenen Hochofens 3 der Henrichshütte in Hattingen mit. Ich war begeistert und Bernd hat mir
das (unvollendete) Modell, welches er als Versuchsballon betrachtete, überlassen.
Der Ofen aus Hattingen ist deutlich kleiner als die Öfen von ThyssenKrupp und ideal geeignet, um als maßstäblicher Nachbau auf meine Anlage zu passen. Bernd hat sich vorgenommen, den Ofen
komplett in 3D zu konstruieren und sich bereit erklärt, mir die STL-Dateien zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug kümmere ich mich um Ausstattungsdetails und um die Konstruktion der Winderhitzer.
Anhand der Abmessungen konnte ich den Gleisplan überarbeiten und die genaue Position für den Hochofen nebst Abstichhalle, die Staubreinigung und die Winderhitzer festlegen. Anstelle einer
vagen Idee war endlich eine konkrete Planung getreten.
2025 hatte ich mir meinen eigenen FDM-Drucker zugelegt und Anfang 2026 war es dann soweit: Bernd schickte mir per eMail eine STL-Datei nach der anderen sowie ausführliche
Erklärungen, wie alles zusammengehört. Der Bambula X1C musste dann im Dauerbetrieb alle Teile drucken. Für das Gerüst habe ich ein grünes PLA-Filament gewählt, die Zwischendecken und
das Fundament wurden mit grauem PLA gedruckt.
Bernd hat alle Bauteile so konstruiert, daß sie ohne Supports direkt auf dem Druckbett erstellt werden konnten. Der Drucker lieferte akkurat ab, ich brauchte nichts zu versäubern -
welch eine Vergnügen gegenüber dem Resindruck! Die Gerüstteile mit ihren ebenen und linearen Formen sind auch optimal für den FDM-Druck geeignet. Die einzelnen Gerüstteile
entstanden als Sandwich: Es gab je eine Vorderseite und eine Rückseite, dazwischen wurden Knotenbleche eingesetzt. Alle Teile konnten sehr gut mit dem altbekannten
Faller Export-Plastikkleber verklebt werden. So entstanden dann die seitlichen Gerüste mit Tiefenwirklung.
Die Montage der seitlichen Gerüste und der Zwischendecken erfolgte mit winzigen Blechschrauben. Die nötigen Öffnungen waren bereits in den STL-Daten enthalten, nur an wenigen Stellen
musste ich per Hand nacharbeiten. Zunächst war ich besorgt, daß die Schraubenköpfe die Ansicht stören würden. Dies wird auch sicherlich in geringem Maße der Fall sein. Aber der Zusammenbau
war auf diese Weise so einfach, stabil und gleichzeitig akkurat, daß ich den kleinen optischen Nachteil gerne in Kauf nehme. Insgesamt erinnerte mich der Zusammenbau auf erfreulich
nostalgische Art an eine Mischung aus Fallerbausatz und Märklin Metallbaukasten. Hier hat Bernd wirklich eine geniale Konstruktionsleistung vollbracht!
Der neue Hochofen-Torso musste dann erstmal für eine Stellprobe herhalten. Augenfällige Unterschiede zum älteren Nachbarn auf den Fotos rühren daher, daß ich
das ältere Modell nicht richtig aufgestellt habe und beim Vorbild besonders im oberen Bereich je nach Himmelsrichtung unterschiedliche Verstrebungen vorhanden
sind.
Das neue Modell verfügt über die charakterische Verstärkung im oberen Bereich - auf dem Vorbildfoto ist der kräftige, rostfarbene Träger in der vorletzten
Etage gut auszumachen. Im Fundamentbereich ist bereits die Abstichrinne angedeutet. Hier bin ich gespannt, wie die künftigen Niveaus von Abstichrinne, Bodenebene der Abstichhalle
und der benötigten Durchfahrtshöhe zusammenpassen werden. Vermutlich müssen Ofen und Abstichhalle etwas erhöht auf die Anlage gesetzt werden.